

Ein neuer Transporter kostet jeden Monat Leasing. Ein gebrauchter Transporter ist vielleicht längst bezahlt. Trotzdem steht erst nach einer vollständigen Kostenrechnung fest, welches Fahrzeug im Kuriergeschäft wirtschaftlicher fährt. Genau darum geht es im DAGO-Express-Video „Neu vs. Gebraucht – Die TCO-Berechnung, die meisten Fahrer übersehen“. Wer nur die Monatsrate oder den Kaufpreis vergleicht, übersieht schnell Reparaturen, Wertverlust und die Folgen eines Werkstattaufenthalts.
Dieser Beitrag greift die Beispiele aus dem Video auf und erweitert sie zu einer praktischen Kalkulation für selbstständige Kurierfahrer und kleine Transportunternehmen. Die genannten Beträge sind vereinfachte Rechenannahmen aus dem Video beziehungsweise ausdrücklich gekennzeichnete Ergänzungen. Sie sind keine aktuellen Fahrzeugangebote. Entscheidend ist, dass du die Methode anschließend mit deinen eigenen Fahrzeugdaten anwendest.
TCO steht für Total Cost of Ownership, also die gesamten Kosten eines Fahrzeugs während seiner Nutzung. Zum wirtschaftlichen Vergleich gehören deshalb deutlich mehr Positionen als der Betrag, den du beim Händler bezahlst. Ein günstiger Kauf kann durch hohen Verbrauch und häufige Reparaturen teuer werden. Umgekehrt ist eine niedrige Leasingrate wenig aussagekräftig, wenn Sonderzahlungen, Mehrkilometer oder Rückgabekosten fehlen.
Für eine nachvollziehbare Rechnung legst du zunächst einen gemeinsamen Zeitraum und eine gemeinsame Fahrleistung fest. Vergleiche beispielsweise zwölf Monate mit jeweils 60.000 gefahrenen Kilometern. Noch aussagekräftiger kann ein Vergleich über die gesamte geplante Haltedauer sein. Beide Fahrzeuge müssen dieselbe Aufgabe erfüllen: Nutzlast, Ladevolumen, Einsatzgebiet und Verfügbarkeit sollten vergleichbar sein. Ein kleinerer Wagen ist kein wirtschaftlicher Ersatz, wenn deine üblichen Sendungen nicht hineinpassen.
Wichtig ist, Kosten nicht doppelt anzusetzen. Bei einem gekauften Fahrzeug rechnest du für den wirtschaftlichen Vergleich mit Wertverlust und gegebenenfalls Finanzierungskosten. Du addierst nicht zusätzlich noch einmal den gesamten Kaufpreis oder die volle Kredittilgung. Beim Leasing berücksichtigst du stattdessen die vertraglichen Leasingkosten. Eine gesonderte Liquiditätsplanung zeigt anschließend, wann das Geld tatsächlich vom Konto abfließt.
Im Video wird ein neuer Sprinter mit einem gebrauchten Crafter verglichen. Für den Neuwagen werden fünf monatliche Positionen genannt. Zusammen ergeben sie 1.560 Euro. Beim gebrauchten Fahrzeug nennt das Video einen Kaufpreis von 15.000 Euro und geschätzte Gesamtkosten von rund 1.500 Euro monatlich. Eine vollständige Aufteilung dieser Gebrauchtwagenkosten liefert das Video nicht; die zweite Zahl ist deshalb als Vergleichsannahme zu verstehen.
| Kostenposition | Neuer Transporter | Gebrauchter Transporter |
|---|---|---|
| Leasing | 450 Euro | Keine Leasingrate im Beispiel |
| Versicherung | 180 Euro | Als gleich angenommen |
| Kfz-Steuer | 20 Euro | Als gleich angenommen |
| Wartung | 50 Euro | In der Gesamtschätzung enthalten |
| Diesel | 860 Euro | Als gleich angenommen |
| Gesamtkosten | 1.560 Euro | Rund 1.500 Euro einschließlich weiterer Kosten |
Aus diesen gerundeten Gesamtbeträgen ergibt sich ein Unterschied von 60 Euro monatlich beziehungsweise 720 Euro jährlich. Im Video werden ungefähr 70 Euro genannt. Für die folgende Rechnung verwenden wir die nachvollziehbare Differenz von 60 Euro. Bereits daran siehst du: Eine fehlende Leasingrate bedeutet keineswegs automatisch einen großen Kostenvorteil.
Auch ein abbezahltes Fahrzeug verliert wirtschaftlich an Wert. Wenn du es heute noch verkaufen könntest und der voraussichtliche Verkaufserlös in einigen Jahren geringer ist, entsteht während deiner weiteren Nutzung ein Wertverlust. Für die Planung zählt dieser Zusammenhang unabhängig davon, ob noch eine Kreditrate offensteht.
Fahrzeugkosten je Kilometer = gesamte Fahrzeugkosten im Zeitraum ÷ tatsächlich gefahrene Kilometer im selben Zeitraum.
Um die im Video genannten Werte von ungefähr 31 und 30 Cent nachvollziehbar zu machen, setzen wir ergänzend 5.000 Kilometer pro Monat an. Beim neuen Transporter ergibt das 1.560 ÷ 5.000 = 0,312 Euro, also 31,2 Cent je Kilometer. Beim gebrauchten Fahrzeug sind es 1.500 ÷ 5.000 = 0,30 Euro oder 30 Cent je Kilometer. Der Unterschied beträgt in diesem Beispiel 1,2 Cent.
Nun nehmen wir eine zusätzliche, bislang nicht eingerechnete Reparatur von 3.000 Euro innerhalb eines Jahres an. Bei 60.000 Jahreskilometern erhöht sie die Kosten um 5 Cent je Kilometer. Der Gebrauchte läge damit bei 35 Cent. Das ist eine ergänzende Szenariorechnung, keine Vorhersage für einen bestimmten Crafter. Wenn entsprechende Reparaturen bereits vollständig im bisherigen Kostenansatz berücksichtigt wurden, darfst du sie nicht ein zweites Mal aufschlagen.
Verwende im Nenner alle gefahrenen Kilometer, also auch Leerfahrten, Anfahrten und Rückwege. Für die spätere Angebotskalkulation musst du zusätzlich wissen, wie viele dieser Kilometer du tatsächlich abrechnen kannst. Ein Fahrzeug kann je gefahrenem Kilometer günstig sein und trotzdem zu wenig Ertrag bringen, wenn ein großer Teil seiner Strecke unbezahlt bleibt.
Das Video beschreibt einen Reparaturfall mit 2.000 Euro Werkstattkosten und drei Tagen Stillstand bei normalerweise 200 Euro Tagesumsatz. Dadurch fehlen zunächst 600 Euro Umsatz. Betriebswirtschaftlich ist entgangener Umsatz allerdings nicht automatisch gleich entgangener Gewinn oder Deckungsbeitrag: Ohne Fahrt sparst du normalerweise einen Teil der variablen Kosten, etwa Diesel.
Ein ergänzendes Beispiel macht das deutlich. Hättest du für die ausgefallenen Aufträge insgesamt 150 Euro variable Ausgaben gehabt, beträgt der entgangene Deckungsbeitrag 450 Euro. Zusammen mit der Reparatur ergibt das eine Belastung von 2.450 Euro. Feste Kosten laufen häufig weiter, dürfen in deiner Gesamtrechnung aber ebenfalls nicht doppelt erscheinen.
Ein Miettransporter kann die Situation verändern. Wenn du mit ihm alle Aufträge fahren kannst, setzt du die zusätzlichen Miet- und Übergabekosten an. Du rechnest nicht gleichzeitig den vollständigen Umsatzausfall derselben Touren hinzu. Bleiben trotzdem Aufträge liegen, berücksichtigst du nur deren tatsächlichen Ausfall. So wird aus einer dramatisch klingenden Zahl eine belastbare Entscheidungsgrundlage.
Im Video empfiehlt DAGO Express für einen gebrauchten Transporter eine Reparaturrücklage von mindestens 3.000 Euro. Das ist ein Orientierungswert aus dem Beispiel und keine allgemeine Garantie, dass dieser Betrag für jedes Fahrzeug genügt. Alter, Laufleistung, Wartungshistorie, Ersatzteilpreise und deine Möglichkeiten zur Ersatzmobilität bestimmen, wie groß dein persönlicher Puffer sein sollte.
Trenne dabei zwei Fragen: Welche Reparaturkosten erwartest du langfristig, und wie viel Geld brauchst du kurzfristig verfügbar? Eine monatliche Rücklage hilft beim Aufbau von Liquidität. Sie ist jedoch nicht zusätzlich zu den bereits kalkulierten Reparaturen ein weiterer wirtschaftlicher Verbrauch. Halte in deiner Auswertung geplante Reparaturkosten, tatsächliche Rechnungen und vorhandenes Reservegeld getrennt fest.
Vor dem Gebrauchtkauf sind dokumentierte Wartungen und eine fachkundige Zustandsprüfung besonders wertvoll. Prüfe außerdem, welche Arbeiten bald anstehen. Ein bald fälliger Reifensatz oder eine größere Wartung gehört schon in die Startkalkulation. Der günstigere Kaufpreis allein sagt darüber wenig aus.
Ein Neuwagen kann wirtschaftlich passen, wenn du eine hohe, verlässlich planbare Auslastung hast und Ausfälle deine Aufträge stark beeinträchtigen. Planbare Raten und klar vereinbarte Serviceleistungen erleichtern die Budgetierung. Eine Garantie bedeutet jedoch weder Reparaturfreiheit noch, dass jeder Schaden und jedes Verschleißteil abgedeckt ist. Auch ein neues Fahrzeug kann in der Werkstatt stehen.
Prüfe deshalb bei einem konkreten Leasingangebot insbesondere Laufleistung, Sonderzahlung, Laufzeit, Mehrkilometer, Wartungsumfang und Rückgabebedingungen. Die 450 Euro aus dem Video sind eine Rechenannahme, kein zugesichertes Marktangebot. Hohe Fahrleistung macht einen Neuwagen auch nicht automatisch günstiger: Verbrauchsvorteile, Vertragskosten und Restwertrisiken müssen zusammenpassen.
Ein guter Gebrauchter kann überzeugen, wenn sein technischer Zustand bekannt ist, der Kaufpreis angemessen ausfällt und du mögliche Reparaturen finanziell verkraftest. Bei schwankender Auslastung kann eine geringere feste Vertragsbelastung hilfreich sein. Besonders wichtig ist dann ein realistischer Plan für den Fall, dass das Fahrzeug mehrere Tage ausfällt.
Entscheidend ist das konkrete Fahrzeug. Zwei Transporter desselben Baujahrs können wegen unterschiedlicher Wartung und Nutzung sehr verschiedene Risiken aufweisen. Stadtverkehr mit vielen Stopps, lange Autobahnstrecken, hohe Beladung und häufige Kurzstrecken belasten Fahrzeuge unterschiedlich. Übertrage deshalb keine pauschalen Internetwerte ungeprüft auf deinen Betrieb.
Deine Fahrzeugkosten sind dabei noch kein fertiger Angebotspreis. Arbeitszeit, Verwaltung, weitere Betriebskosten und eine angemessene Marge kommen hinzu. Für das Kuriergeschäft zählt am Ende, ob ein Auftrag unter Berücksichtigung der gesamten Tour wirtschaftlich ist. Auf unserer Seite zum Kurierdienst DAGO Express findest du weitere Informationen zum Transportangebot; zusätzliche Praxisthemen stehen im DAGO-Express-Blog.
Im folgenden Originalvideo erklärt DAGO Express die Grundidee hinter dem Vergleich. Der Player wird erst nach deiner ausdrücklichen Zustimmung geladen. Du kannst den gesamten Beitrag auch ohne das Video lesen.
YouTube-Video erst nach Zustimmung laden
Mit „Zustimmen und Video laden“ willigst du ein, dass für die Videowiedergabe eine Verbindung zu YouTube (Google Ireland Limited) hergestellt wird. Dabei werden unter anderem deine IP-Adresse und technische Geräteinformationen übermittelt. YouTube kann Cookies oder ähnliche Technologien verwenden; eine Verarbeitung durch Google in den USA ist möglich. Bei Anmeldung bei Google können Daten deinem Konto zugeordnet werden.
Die Zustimmung ist freiwillig und gilt nur bis zum Verlassen oder Neuladen dieser Seite. Du kannst sie über „Video entfernen und Zustimmung widerrufen“ für die Zukunft widerrufen. Bereits übermittelte Daten werden dadurch nicht zurückgeholt. Ohne Zustimmung bleibt der Beitrag vollständig lesbar.
Alternativ direkt auf YouTube ansehen (externe Website)
Die eingebettete Wiedergabe benötigt JavaScript. Alternativ kannst du den externen YouTube-Link verwenden.
Die Frage „Transporter neu oder gebraucht?“ lässt sich nicht allein anhand der Leasingrate beantworten. Im Beispiel liegen beide Fahrzeuge zunächst eng beieinander. Eine zusätzliche Reparatur kann den Vorteil des Gebrauchten aufheben; ein ungünstiger Leasingvertrag kann wiederum den Neuwagen verteuern. Wer Kauf beziehungsweise Leasing, laufende Ausgaben, Wertverlust und Ausfallrisiko sauber trennt, erkennt diese Unterschiede rechtzeitig.
Berechne deshalb deine tatsächlichen Fahrzeugkosten pro Kilometer, halte eine passende Liquiditätsreserve bereit und überprüfe die Zahlen regelmäßig. So entscheidest du anhand deines Einsatzprofils und deiner Auftragslage, welches Fahrzeug dein Kuriergeschäft langfristig trägt.
Grundlage: DAGO Express, „Neu vs. Gebraucht – Die TCO-Berechnung, die meisten Fahrer übersehen“. Rechenbeispiele redaktionell erläutert und ergänzt; keine konkreten Fahrzeug- oder Finanzierungsangebote.