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Ladungssicherung: Formschluss vor Kraftschluss

Formschluss vor Kraftschluss

Eine korrekt gesicherte Ladung ist kein Detail, sondern eine Grundvoraussetzung für Sicherheit, Haftung und Gesetzeskonformität. Besonders der Leitsatz „Formschluss vor Kraftschluss“ gilt als zentrale Regel der Ladungssicherung. Er entscheidet darüber, ob eine Ladung stabil steht oder bei einer Vollbremsung zur Gefahr wird. Wer die Vorgaben der VDI 2700 kennt, die richtige Ausrüstung nutzt und typische Fehler vermeidet, reduziert Unfälle, Schäden und Bußgelder deutlich. Dieser Leitfaden erklärt praxisnah, rechtssicher und Schritt für Schritt, wie professionelle Ladungssicherung wirklich funktioniert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Formschluss verhindert Bewegung durch lückenloses Anlegen der Ladung
  • Kraftschluss ergänzt Formschluss durch Zurrmittel und Vorspannkraft
  • Die VDI 2700 schreibt die 80%-Regel für formschlüssige Sicherung vor
  • Antirutschmatten senken benötigte Zurrkräfte erheblich
  • Vor jeder Fahrt sind systematische Sicherheitschecks Pflicht

Warum gilt „Formschluss vor Kraftschluss“ bei der Ladungssicherung?

Formschluss nutzt feste Begrenzungen wie Stirnwände oder Sperrstangen, um Bewegungen zu verhindern. Erst wenn kein vollständiger Formschluss möglich ist, wird Kraftschluss durch Zurrgurte eingesetzt. Das ist sicherer, effizienter und gesetzlich gefordert.

Warum „Formschluss vor Kraftschluss“ die goldene Regel ist

Formschluss bedeutet, dass die Ladung ohne Zwischenräume an feste Fahrzeugbegrenzungen anliegt. Dazu zählen Stirnwand, Bordwände oder andere Ladeeinrichtungen. Die Ladung kann sich so physikalisch nicht bewegen. Kraftschluss hingegen arbeitet mit Reibung und Vorspannkraft durch Zurrgurte. Diese Methode ist fehleranfälliger und materialabhängig. Die VDI 2700 priorisiert deshalb klar den Formschluss. Erst wenn dieser technisch nicht vollständig möglich ist, darf Kraftschluss ergänzend eingesetzt werden. In der Praxis reduziert Formschluss den Sicherungsaufwand erheblich. Zudem sinkt das Risiko von Gurtausfall oder Setzverlusten.

VDI 2700 und die Bedeutung der 80%-Regel

Die VDI-Richtlinie 2700 ist der maßgebliche Standard für Ladungssicherung in Deutschland. Sie definiert technische, rechtliche und praktische Anforderungen. Besonders wichtig ist die sogenannte 80%-Regel. Sie besagt, dass bei formschlüssiger Sicherung mindestens 80 Prozent der erforderlichen Sicherungskräfte durch Formschluss abgedeckt sein müssen. Die restlichen 20 Prozent dürfen durch Kraftschluss ergänzt werden. Voraussetzung ist eine feste, belastbare Fahrzeugstruktur. Werden diese Werte unterschritten, gilt die Sicherung als mangelhaft. Verstöße können zu Bußgeldern, Punkten und Haftungsfragen führen.

Formschluss vs. Kraftschluss

KriteriumFormschlussKraftschluss
PrinzipBlockieren von BewegungErhöhung der Reibung
Priorität laut VDI 2700Sehr hochErgänzend
FehleranfälligkeitGeringHöher
Abhängigkeit von ZurrmittelnNeinJa
Empfohlene NutzungStandardZusatz

Wichtige Ausrüstung für professionelle Ladungssicherung

Die richtige Ausrüstung entscheidet über Wirksamkeit und Rechtssicherheit. Antirutschmatten erhöhen den Reibbeiwert deutlich. Dadurch sinkt die notwendige Zurrkraft. Zurrgurte müssen der Norm EN 12195-2 entsprechen. Ihre Vorspannkraft und LC-Werte sind entscheidend. Netze eignen sich für leichte, formstabile Güter. Sperrstangen und Ladebalken ermöglichen effektiven Formschluss. Alle Hilfsmittel müssen unbeschädigt und sauber sein. Verschleiß mindert die Sicherungswirkung erheblich.

Sicherungsmittel und Einsatz

AusrüstungZweckBesonderheit
AntirutschmattenReibung erhöhenReduziert Zurrkraft
ZurrgurteKraftschlussLC-Wert beachten
NetzeFlächensicherungNur für leichte Güter
SperrstangenFormschlussSehr effektiv
LadebalkenRaumtrennungFlexibel einsetzbar

Häufige Fehler mit hohem Risiko

Ein klassischer Fehler ist das alleinige Vertrauen auf Zurrgurte ohne Formschluss. Ebenso kritisch sind beschädigte Gurte oder falsch eingesetzte Antirutschmatten. Häufig fehlen auch Zwischenwände oder Stirnwandabstützungen. Ein weiterer Fehler ist die falsche Einschätzung des Reibwerts. Viele Fahrer sichern zu schwach oder ungleichmäßig. Auch fehlende Dokumentation kann bei Kontrollen problematisch sein. Diese Mängel führen nicht nur zu Bußgeldern, sondern auch zu realen Unfallgefahren.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur richtigen Ladungssicherung

Zuerst wird die Ladefläche gereinigt. Dann wird die Ladung möglichst lückenlos platziert. Ziel ist maximaler Formschluss. Anschließend werden Antirutschmatten untergelegt. Nun folgt die ergänzende Sicherung mit Zurrgurten. Dabei sind Winkel, Vorspannkraft und Anzahl entscheidend. Nach dem Spannen erfolgt eine Sichtprüfung. Abschließend wird die Sicherung dokumentiert. Jeder Schritt erhöht die Sicherheit messbar.

Sicherheitschecks vor der Abfahrt

Vor jeder Fahrt ist eine systematische Kontrolle Pflicht. Alle Zurrmittel müssen korrekt gespannt sein. Sperrstangen dürfen kein Spiel haben. Antirutschmatten müssen vollständig unter der Ladung liegen. Die Ladung darf sich nicht verschieben lassen. Auch das Fahrzeug selbst ist zu prüfen. Bremsen, Reifen und Ladefläche müssen in Ordnung sein. Erst nach diesem Check gilt die Fahrt als sicher und regelkonform.

Fazit

Wer „Formschluss vor Kraftschluss“ konsequent umsetzt, sichert nicht nur Ladung, sondern auch Verantwortung. Die VDI 2700 gibt klare Leitplanken vor, die in der Praxis einfach umsetzbar sind. Mit der richtigen Ausrüstung, sauberer Planung und festen Routinen lassen sich Risiken, Schäden und Bußgelder effektiv vermeiden. Professionelle Ladungssicherung ist kein Mehraufwand, sondern ein Sicherheitsgewinn mit direktem wirtschaftlichem Nutzen.

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