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Digitaler Fahrtenschreiber einfach erklärt

Digitaler Fahrtenschreiber einfach erklärt

Ein digitaler Fahrtenschreiber ist ein zentrales Kontroll- und Dokumentationsgerät im gewerblichen Güter- und Personenverkehr. Er ist etwa so groß wie ein Autoradio und fest im Fahrzeug verbaut. Seine Aufgabe besteht darin, Fahr- und Arbeitsdaten des Fahrers sowie technische Fahrzeugdaten automatisch und manipulationssicher zu erfassen. Dazu zählen unter anderem Geschwindigkeit, Lenkzeiten, Ruhezeiten und gefahrene Entfernungen. Die Daten werden sowohl im internen Massenspeicher des Geräts als auch auf der persönlichen Fahrerkarte gespeichert und dienen der Einhaltung gesetzlicher Sozialvorschriften im Straßenverkehr.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein digitaler Fahrtenschreiber dokumentiert Fahrzeiten, Ruhezeiten, Geschwindigkeiten und Fahreraktivitäten.
  • Er ist seit dem 01. Mai 2006 für neu zugelassene Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Pflicht.
  • Ab Juli 2026 gilt die Pflicht auch für Fahrzeuge zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen im internationalen Verkehr.
  • Die Daten werden im Gerät und auf der Fahrerkarte gespeichert und regelmäßig ausgelesen.
  • Führende Hersteller in Europa sind VDO, Stoneridge, Intellic und Actia.

Was ist ein digitaler Fahrtenschreiber?

Ein digitaler Fahrtenschreiber ist ein elektronisches Kontrollgerät in Nutzfahrzeugen, das automatisch Fahrzeiten, Ruhezeiten, Geschwindigkeiten und Fahreraktivitäten speichert und gesetzlich vorgeschriebene Lenk- und Ruhezeiten überwacht.

Wann muss ein digitaler Fahrtenschreiber verwendet werden?

Der digitale Fahrtenschreiber ist für alle neu zugelassenen Fahrzeuge über 3,5 Tonnen seit dem 01. Mai 2006 gesetzlich vorgeschrieben. Er ersetzt in diesen Fahrzeugen den analogen Fahrtenschreiber. Auch Fahrzeuge mit mehr als neun Sitzplätzen, die nach dem 01. Januar 2003 zugelassen wurden, müssen bei einem Austausch auf digitale Systeme umgestellt werden. Eine wichtige Neuerung bringt das EU-Mobilitätspaket I.

Ab dem 01. Juli 2026 gilt die Fahrtenschreiberpflicht auch für Fahrzeuge zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen im internationalen Güterverkehr und bei Kabotage. Voraussetzung ist dann der Einsatz des Smart Tachograph Version 2. Handwerksbetriebe und Werkverkehr sind größtenteils ausgenommen, sofern sie national tätig sind.

Wie funktioniert ein digitaler Fahrtenschreiber?

Ein digitaler Fahrtenschreiber besteht aus drei Hauptkomponenten. Dazu gehören die Fahrzeugeinheit, der Bewegungssensor und die Fahrtenschreiberkarten. Die Fahrzeugeinheit ist das zentrale Steuerelement und befindet sich im Fahrerbereich der Kabine. Sie enthält einen Prozessor, eine interne Uhr, zwei Kartensteckplätze, ein Display, einen Drucker, einen Download-Anschluss und Bedienelemente für manuelle Eingaben.

Der Bewegungssensor sitzt im Getriebe und misst die Drehbewegung der Antriebswelle. Dabei entstehen verschlüsselte Impulse, die an die Fahrzeugeinheit übertragen und dort gespeichert werden. So entsteht eine lückenlose und fälschungssichere Aufzeichnung aller relevanten Fahrdaten.

Welche Daten zeichnet ein digitaler Fahrtenschreiber auf?

Der digitale Fahrtenschreiber erfasst eine Vielzahl detaillierter Fahrer- und Fahrzeugdaten. Dazu gehören das amtliche Kennzeichen des Fahrzeugs, die aktuelle Geschwindigkeit und die gefahrene Strecke. Er speichert, ob ein Fahrer allein oder im Mehrfahrerbetrieb unterwegs ist. Zusätzlich werden alle Aktivitäten des Fahrers dokumentiert, also Fahrzeiten, Ruhezeiten, Pausen, andere Arbeiten und Bereitschaftszeiten.

Jeder Wechsel einer Aktivität wird mit Datum und Uhrzeit festgehalten. Auch Ereignisse wie Geschwindigkeitsüberschreitungen, Fahrten ohne Fahrerkarte oder Manipulationsversuche werden protokolliert. Darüber hinaus speichert das System Informationen zu Kalibrierungen und behördlichen Kontrollen.

Übersicht der aufgezeichneten Daten

DatenartBeschreibung
FahrzeugdatenKennzeichen, Geschwindigkeit, Kilometerstand
FahrerdatenLenkzeiten, Ruhezeiten, Aktivitäten
EreignisseVerstöße, Fehler, Manipulationsversuche
SystemdatenKalibrierungen, Kontrollen

Unternehmen müssen die Daten aus dem Massenspeicher spätestens alle 90 Tage und die Daten der Fahrerkarte spätestens alle 28 Tage auslesen und archivieren.

.DDD-Dateien – Bedeutung und Formate

Alle gespeicherten Informationen werden im Standardformat als .ddd-Dateien abgelegt. Diese Dateien lassen sich in spezielle Software zur Fahrtenschreiberanalyse importieren. Dort werden sie ausgewertet und archiviert. Innerhalb Europas gibt es jedoch länderspezifische Abweichungen. In Spanien wird das Format .tgd verwendet. Frankreich nutzt zwei getrennte Dateiformate.

Fahrzeugdaten werden dort im V1B-Format gespeichert, während Fahrerdaten im C1B-Format abgelegt werden. Trotz unterschiedlicher Formate erfüllen alle Dateien denselben Zweck. Sie ermöglichen die Kontrolle gesetzlicher Lenk- und Ruhezeiten.

Arten von Fahrtenschreiberkarten im Tachograph

Für den Betrieb eines digitalen Fahrtenschreibers gibt es vier verschiedene Kartenarten. Die Fahrerkarte wird vom Fahrer genutzt und speichert persönliche Fahr- und Ruhezeiten. Kontrollkarten kommen bei Behörden zum Einsatz. Sie erlauben den Zugriff auf alle gespeicherten Daten und können Firmensperren aufheben. Werkstattkarten sind autorisierten Fachbetrieben vorbehalten.

Sie werden für Einbau, Kalibrierung und Reparatur verwendet. Firmenkarten dienen Unternehmen zur Datensicherung. Mit ihnen können Daten gesperrt, ausgelesen oder auch externe Dienstleister wie Telematikanbieter autorisiert werden.

Übersicht der Kartenarten

KartenartZweck
FahrerkarteAufzeichnung von Lenk- und Ruhezeiten
KontrollkarteAuslesen durch Behörden
WerkstattkarteKalibrierung und Wartung
FirmenkarteDatensicherung und Zugriffsschutz

Fahrtenschreibermodi digitaler Fahrtenschreiber

Der digitale Fahrtenschreiber kennt vier unterschiedliche Betriebsmodi. Der Fahrtmodus wird automatisch aktiviert, sobald sich das Fahrzeug bewegt. Steht das Fahrzeug, schaltet das System in der Regel auf „Andere Arbeiten“. Die Modi „Pause“ und „Abrufbereitschaft“ müssen vom Fahrer manuell eingestellt werden, solange das Fahrzeug steht.

Symbole im Display zeigen jederzeit den aktuellen Modus an. Alle Aktivitäten werden parallel im Gerätespeicher und auf der Fahrerkarte gespeichert. Ist der Speicher voll, werden die ältesten Daten überschrieben. Deshalb setzen viele Unternehmen auf regelmäßige Downloads und langfristige Archivierungslösungen.

Fazit

Der digitale Fahrtenschreiber ist ein unverzichtbares Instrument für Rechtssicherheit, Transparenz und Verkehrssicherheit im gewerblichen Straßenverkehr. Er sorgt für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, schützt Fahrer und Unternehmen gleichermaßen und schafft eine verlässliche Datenbasis. Mit den neuen EU-Regelungen gewinnt das Thema weiter an Bedeutung. Wer Pflichten, Technik und Datenformate kennt, vermeidet Bußgelder und bleibt dauerhaft gesetzeskonform unterwegs.

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