
Deutschland steckt tief im Lkw-Fahrermangel – mehr als 130.000 Fahrer fehlen, während gleichzeitig strenge Regeln verhindern, dass erfahrene Brummi-Fahrer aus Nicht-EU-Staaten dauerhaft bei uns arbeiten können. Statt ihnen nach sechs Monaten unkompliziert einen EU-Führerschein auszustellen, zwingt Deutschland sie zur kompletten Neuausbildung. Das kostet bis zu 16.000 Euro und verschärft den Engpass dramatisch. Während Nachbarländer pragmatisch handeln, verliert Deutschland Fahrer, Wettbewerbsfähigkeit und Steuereinnahmen.
Weil Deutschland im Gegensatz zu vielen EU-Nachbarn keinen einfachen Umtausch zulässt. Nach sechs Monaten verliert der Nicht-EU-Führerschein seine Gültigkeit, sodass eine vollständige Fahrschulausbildung nötig wird – inklusive Prüfungen und Kosten von bis zu 16.000 Euro.
Deutschland braucht dringend Lkw-Fahrer, doch die Zahl der verfügbaren Kräfte sinkt weiter. Mehr als 130.000 Fahrer fehlen bereits, und jedes Jahr gehen Tausende in Rente. Viele polnische Fahrer, die über Jahre das System stabil hielten, kehren in ihre Heimat zurück.
Das verschärft die Lage zusätzlich. Gleichzeitig steigt das Transportvolumen, besonders im Onlinehandel. Dadurch geraten Lieferketten unter Druck. Selbst Weihnachtspäckchen kommen später an, weil schlicht niemand mehr fährt. Unternehmen müssen Aufträge ablehnen und Preise erhöhen. Diese Entwicklung trifft Handel, Industrie und Verbraucher gleichermaßen.
Fahrer aus Nicht-EU-Ländern dürfen zunächst sechs Monate legal in Deutschland arbeiten. Danach verliert ihr Führerschein hier seine Gültigkeit. In vielen EU-Staaten folgt anschließend ein einfacher Umtausch in einen EU-Führerschein. Deutschland verweigert diesen Schritt jedoch.
Stattdessen müssen Fahrer erneut in die Fahrschule gehen. Das gilt sogar dann, wenn sie viele Jahre unfallfrei gefahren sind. Die Regelung ist alt, doch bisher nicht reformiert worden. Sie führt dazu, dass qualifizierte Fahrer das Land verlassen. Unternehmen verlieren wichtige Mitarbeiter. Auch die Rechtslage sorgt für Unsicherheit und hohe Kosten.
In Polen und Litauen wird ein usbekischer Führerschein nach sechs Monaten problemlos in einen EU-Führerschein umgewandelt. Das geht schnell und kostet wenig. Die Fahrer dürfen anschließend in ganz Europa arbeiten. Sie fahren dann auch in Deutschland, aber nicht für deutsche Firmen.
Dadurch entsteht ein enormer Wettbewerbsnachteil. 2023 stellten Polen und Litauen zusammen fast 300.000 EU-Führerscheine an Nicht-EU-Bürger aus. Deutschland dagegen nur 2561. Diese Zahlen zeigen die Dimension des Problems. Der Standort Deutschland verliert Attraktivität. Speditionen können mit osteuropäischen Unternehmen preislich kaum mithalten.
Für einen Nicht-EU-Fahrer bedeutet die deutsche Regelung eine finanzielle Katastrophe. Rund 4000 Euro kosten die Pkw-Klassen. Der Lkw-Führerschein schlägt mit etwa 13.000 Euro zu Buche. Dazu kommen Prüfungsgebühren und der Verdienstausfall während der Schulungszeit.
Viele Fahrer können sich diese Summen nicht leisten. Arbeitgeber könnten übernehmen, müssten jedoch zehntausende Euro pro Mitarbeiter investieren. Damit wird die Ausbildung unattraktiv. Die Branche verliert potenzielle Fachkräfte. Und die Fahrer suchen sich Länder, in denen ihre Qualifikation anerkannt wird. Der Kostenfaktor ist einer der Hauptgründe für den Exodus ausländischer Fahrer.
Die EU hat eine Sonderregelung beschlossen, die ukrainische Führerscheine während des Krieges unkompliziert anerkennen soll. Viele Staaten haben sie umgesetzt. Deutschland jedoch bis heute nicht. Die Folge: Ukrainische Lkw-Fahrer müssen ebenfalls den kompletten Führerschein neu machen. Das ist besonders absurd, da die EU die Vereinfachung ausdrücklich erlaubt.
Fahrer flüchten daher in andere Länder mit weniger Bürokratie. Für deutsche Unternehmen ist das ein Verlust. Gleichzeitig behindert die aktuelle Praxis die Integration ukrainischer Geflüchteter in den Arbeitsmarkt. Sie wollen arbeiten, dürfen aber nicht. Die Kritik aus der Branche wächst.
Ein großer deutscher Spediteur schrieb im August einen Brandbrief an Verkehrsminister Patrick Schnieder. Darin schildert er die dramatische Lage. Seine Firmen seien nicht mehr wettbewerbsfähig. Er sei „sprachlos“ angesichts der politischen Untätigkeit. Die Antwort des Ministers bestand laut Bericht aus unkonkretem Fachchinesisch.
Viele Unternehmer fühlen sich allein gelassen. BGL-Chef Dirk Engelhardt ist besonders deutlich: Er spricht von Unvermögen der Bundesregierung. Die Branche sehe sich „mit dem Rücken zur Wand“. Die Bürokratie sei so schwerfällig, dass Reformen ausblieben. Dadurch verschärft sich der Fahrermangel weiter.
Wenn ausländische Fahrer für deutsche Unternehmen arbeiten, zahlen sie hier Lohnsteuer und Sozialabgaben. Das ist ein Gewinn für den Staat. Durch die komplizierten Regeln arbeiten sie jedoch zunehmend für polnische und litauische Firmen. Dort zahlen sie Abgaben – nicht in Deutschland. Damit gehen dem deutschen Fiskus Millionen verloren.
Gleichzeitig steigen Transportkosten und Lieferengpässe. Die deutsche Wirtschaft verliert weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Spediteure sehen darin ein hausgemachtes Problem. Viele fragen sich, warum Deutschland auf dringend benötigte Fachkräfte verzichtet. Die Folgen sind branchenübergreifend spürbar.
Der Führerschein-Irrsinn zeigt, wie Bürokratie eine ganze Branche ausbremsen kann. Deutschland verliert dringend benötigte Fachkräfte, während Nachbarländer pragmatisch handeln und profitieren. Die extremen Kosten, fehlende Anerkennung und politische Untätigkeit verschärfen den Fahrermangel drastisch. Wenn sich nichts ändert, wird die Logistik zum Nadelöhr der deutschen Wirtschaft – mit steigenden Preisen, Lieferproblemen und verlorenen Steuereinnahmen. Jetzt wären mutige Reformen nötiger denn je.