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Abgasnorm Euro 7: Die große Neuerung erklärt

Abgasnorm Euro 7: Die große Neuerung erklärt

Die neue Abgasnorm Euro 7 bringt erstmals Vorschriften, die weit über klassische Abgasgrenzen hinausgehen. Ab dem 29. November ersetzt sie die bisherige Euro-6e-bis-Stufe und führt strengere Regeln für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ein. Besonders bahnbrechend ist, dass nun auch Bremsen- und Reifenabrieb reguliert werden. Außerdem verlängert sich die vorgeschriebene Mindestlebensdauer von Fahrzeugkomponenten. Echtzeitmessungen der Emissionen und neue Grenzwerte für ultrafeine Partikel markieren einen wichtigen Schritt in Richtung flächendeckender Luftreinhaltung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Euro 7 ersetzt Euro 6e-bis am 29. November und verschärft zentrale Emissionsgrenzen.
  • Neu ist die Regulierung von Reifen- und Bremsenabrieb, da diese inzwischen mehr Feinstaub verursachen als Motoren.
  • Fahrzeuge müssen künftig acht Jahre oder 160.000 km emissionskonform bleiben.
  • Echtzeit-Emissionsmessgeräte werden Pflicht; Kleinpartikel ab 10 nm werden erstmals erfasst.
  • Für Bremsen und später auch für Reifen gelten neue, schrittweise eingeführte Grenzwerte.

Was ist die wichtigste Neuerung der Abgasnorm Euro 7?

Die bahnbrechendste Neuerung der Euro-7-Abgasnorm ist, dass erstmals auch der Feinstaub durch Reifen- und Bremsenabrieb reguliert wird, da dieser inzwischen höher ist als die Emissionen vieler Verbrennungsmotoren. Zusätzlich gelten strengere Vorgaben für Mindestlebensdauer, Echtzeitmessung und ultrafeine Partikel.

Übergang von Euro 6e-bis zu Euro 7

Die Einführung von Euro 6e-bis am 1. Januar 2026 stellt den letzten Schritt vor Euro 7 dar. Diese Stufe erweitert erstmals den zulässigen Temperaturbereich während der RDE-Tests. Damit werden Emissionen realitätsnäher bewertet, weil Fahrzeuge bei unterschiedlichen Wetterbedingungen getestet werden. Am 29. November endet diese Phase und Euro 7 tritt in Kraft.

Die neue Norm bringt deutlich umfangreichere Anforderungen, auch wenn einige ursprünglich geplante Punkte abgeschwächt wurden. Dennoch bleibt die Anpassung anspruchsvoll für Hersteller, darunter verlängerte Haltbarkeitsanforderungen und technische Pflichten. Damit wächst der Aufwand für Entwicklungsprozesse spürbar. Euro 7 markiert somit einen technologischen Wendepunkt, der alle relevanten Emissionsquellen berücksichtigt.

Mindestlebensdauer für Motor, Katalysator und Akkus

Eine große Neuerung betrifft die Mindestlebensdauer zentraler Fahrzeugkomponenten. Kfz müssen nun acht Jahre oder 160.000 km lang emissionskonform bleiben. Das gilt nicht nur für Motoren und Katalysatoren, sondern erstmals auch für Akkus von Elektroautos.

Diese Vorgabe sorgt dafür, dass Hersteller robustere Systeme entwickeln und Emissionen über die gesamte Lebensdauer stabil bleiben. Gleichzeitig erhöht sich die Verantwortung der Verbraucher, da unsachgemäße Nutzung schneller zu Abweichungen führen kann. Die längere Haltbarkeit wirkt sich auch auf die Kostenstrukturen aus, da Bauteile hochwertiger produziert werden müssen. Im Ergebnis führt die Regel zu langlebigeren Fahrzeugen mit stabileren Umweltwerten.

Pflicht zur Echtzeit-Emissionsmessung

Eine entscheidende technische Neuerung ist das obligatorische System zur Echtzeitmessung von Emissionen. Fahrzeuge müssen künftig ein onboard-Messgerät besitzen, das relevante Abgaskomponenten kontinuierlich überwacht. Diese Daten sollen Manipulationen erschweren und eine realistische Bewertung des Fahrbetriebs ermöglichen.

Besonders wichtig ist die Erfassung ultrafeiner Partikel bei Benzinern, die nun bereits ab 10 Nanometern gemessen werden. Das erweitert die Datengrundlage erheblich, denn diese kleinsten Partikel gelten als besonders gesundheitsschädlich. Die Systeme müssen zugleich langlebig und präzise sein. Damit verlagert sich die Emissionskontrolle stärker in den Alltag und nicht mehr nur in künstliche Prüfumgebungen.

Neue Regulierung von Reifenabrieb

Die wohl größte Neuerung ist die Einbeziehung des Reifenabriebs in die Abgasnorm. Laut ADAC steigen die Mengen an Feinstaub aus Reifenoberflächen seit Jahren leicht an. Diese Partikel liegen inzwischen über den Emissionen vieler Verbrennungsmotoren. Der Abrieb wird in Milligramm pro Kilometer und Fahrzeugtonne bemessen. Ein Beispiel zeigt die Relevanz: Ein 1,5-Tonnen-Fahrzeug verliert auf 100 Kilometern rund 7,5 Gramm Reifenmaterial.

Die Regulierung tritt gestaffelt in Kraft. Ab 1. Juli 2028 gelten Regeln für Pkw-Reifen, allerdings sind die Grenzwerte noch nicht final festgelegt. Ab 2030 folgen Reifen für leichte Lkw, ab 2032 schließlich die schweren Lkw. Damit wird erstmals ein großer Feinstaubverursacher zuverlässig reguliert.

Neue Grenzwerte für Bremsenabrieb

Auch der Abrieb der Bremsen wird künftig streng überwacht. Das Prüfverfahren basiert auf der UN-Regelung GTR No. 24. Elektroautos erhalten dabei zunächst einen Vorteil, da ihre Bremsen weniger Abrieb verursachen. Für sie gilt ab Euro-7-Start der Grenzwert von 3 mg PM10 pro km. Für Verbrenner und Plug-in-Hybride liegt er bei 7 mg pro km.

Dieser Unterschied soll jedoch nur vorübergehend gelten. Ab 2035 wird ein einheitlicher Grenzwert von 3 mg pro km vorgeschrieben – unabhängig vom Antrieb. Diese Entwicklung zwingt Hersteller dazu, staubärmere Bremssysteme zu entwickeln, etwa durch optimierte Materialien oder verstärkte Rekuperation bei Hybridmodellen.

Übersichtstabelle der technischen Kernpunkte

BereichInhalt / WertZeitpunkt
Mindestlebensdauer8 Jahre / 160.000 kmAb Euro 7 Start
EchtzeitmessungPflicht für alle FahrzeugeAb Euro 7 Start
Messung KleinpartikelAb 10 nm (Benziner)Ab Euro 7 Start
Bremsenabrieb E-Autos3 mg/km PM10Ab Euro 7
Bremsenabrieb alle Antriebe7 mg/km (Verbrenner, PHEV)Ab Euro 7
Einheitlicher Grenzwert3 mg/kmAb 2035
Reifenabrieb PkwRegulierung beginnt1. Juli 2028
Reifenabrieb leichte LkwStart1. April 2030
Reifenabrieb schwere LkwStart1. April 2032

Fazit

Euro 7 setzt neue Maßstäbe, weil die Norm erstmals alle relevanten Emissionsquellen einbezieht – auch solche, die bislang kaum Beachtung fanden. Durch strengere Haltbarkeitsvorgaben, Echtzeitmessungen und die Regulierung von Abrieb entsteht ein ganzheitlicher Ansatz, der Luftqualität nachhaltig verbessern soll. Für Hersteller bedeutet das große technische Herausforderungen, doch für Verbraucher und Umwelt bietet Euro 7 einen klaren Fortschritt. Die Norm markiert deshalb einen echten Wendepunkt in der europäischen Fahrzeugregulierung.

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